23. Juli 2019
News-Ticker

Kükenschreddern – bald vorbei

Über 40 Millionen männliche Küken werden pro Jahr nach dem Schlüpfen getötet.

Eine neue Methode will das ändern.

 

Entwickelt von

Prof. Dr. Almuth Einspanier, Veterinärmedizinerin vom Veterinär-Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Leipzig

 

Den 08. November 2018 sollten sich alle Gegner der Kükenschredderei merken.

 

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, stellt am 8. November 2018 gemeinsam mit Dr. Ludger Breloh, SELEGGT- Geschäftsführer, und Jan Kunath, stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden der REWE Group, in Berlin das nun marktreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei vor: das SELEGGT-Verfahren. In 223 REWE- und PENNY-Märkten in Berlin können Kunden ab November die ersten Konsumeier mit dem Aufdruck “respeggt” kaufen, deren Legehennen als Brut-Ei das neue Ver-fahren durchlaufen haben. Die REWE Group plant bereits für das kommende Jahr die nationale Markteinführung der so genannten „respeggt-Freiland-Eier“ auf alle rund 5.500 REWE- und PENNY-Märkte in Deutschland auszudehnen. Parallel erarbeitet SELEGGT ein Geschäftsmodell, um die Technik der Branche kostenneutral als Dienstleistung zur Verfügung zu stellen. Somit ist Deutschland Auftaktgeber der neuen Methode, die das Kükentöten in Brütereien beenden kann. Ab 2020 soll auch ersten Brütereien das patentrechtlich geschützte Verfahren zur Nutzung angeboten werden.

 

Wie viele Eier essen wir in Deutschland?

Insgesamt wurden in Deutschland im Jahr 2015 rund 19 Milliarden Eier verzehrt. Im Durchschnitt konsumiert jeder Bürger in Deutschland 233 Eier pro Jahr – als Frühstücksei,  in Gebäck, in Nudeln und anderen Lebensmitteln.

Aus deutschen Bio-Ställen kamen 2015 rund 1,1 Milliarden Bio-Eier, gelegt von rund vier Millionen Bio-Legehennen. Gegenüber 2007 (427 Mio.) hat sich die Zahl der Bio-Eier damit fast verdreifacht. Bio-Eier gehören zu den überdurchschnittlich stark nachgefragten Bio-Produkten. Mit einem Mengenanteil von ca. 11 Prozent (2015) am gesamten Eierverkauf haben Bio-Eier den höchsten Anteil aller Bio-Produkte im gesamten Lebensmittelmarkt.

 

Wissenswertes (Eier-Farbe, Haltbarkeit, Lagerung, Frischtest, Freilandhaltung, Bodenhaltung, Inhaltsstoffe usw.) über das Hühnerei erfahren Sie hier.

 

Warum werden die männlichen Küken aussortiert?

Ökonomische Gründe

In der Geflügelproduktion werden die männlichen Küken des Hybridhuhns aus ökonomischen Gründen aussortiert. Die weiblichen Küken aus Zuchtlinien für hohe Legeleistung werden als Legehennen aufgezogen. Die männlichen Küken legen keine Eier, und Tiere dieser Zuchtlinien setzen auch weniger Brustfleisch an als Tiere, die für die Broilermast optimiert sind. Ihre Aufzucht als Masthähnchen ist daher weniger rentabel.

Umfang

In Deutschland werden jährlich 45 Millionen Eintagsküken zerschreddert oder vergast; das sind über 100.000 Tiere täglich. In der Schweiz werden jedes Jahr rund 2 Millionen männliche Küken getötet. In der Europäischen Union waren es 2014 330 Millionen getötete Eintagsküken.[12] Weltweit sind es jährlich etwa 2,5 Milliarden Küken. Das sind fast 7 Millionen Eintagsküken täglich.

Tötungsverfahren

Das Töten von Eintagsküken erfolgt üblicherweise durch Ersticken oder durch Zerschreddern. Beim Ersticken wird CO2 (<—– dieser Film ist nichts fürt schwache Nerven) in Behälter mit einigen hundert Küken eingeleitet. Innerhalb von Sekunden tritt Bewusstlosigkeit ein und der Tod erfolgt innerhalb von wenigen Minuten durch Sauerstoffarmut im Blut. Medizinisch ist dieser Vorgang durch den Bohr- bzw. den Haldane-Effekt charakterisiert.

In der Schweiz ist das Töten, bei der Küken lebendig übereinander gestapelt werden, untersagt, was einem praktischen Verbot der CO2-Erstickung gleichkommt.

In der Massenproduktion in den Vereinigten Staaten erfolgt nach einem Video der Tierschutzorganisation Animal Equality die Tötung unter anderem auch durch das Abschneiden des Kopfes.

Im restlichen Europa ist es erlaubt und unterliegt Normierungen (Verordnung (EG) Nr. 1099/2009): Küken dürfen nicht älter als 72 Stunden sein und die Maschinenleistung eines Schredders (auch Kükenmuser genannt) muss ausreichen, um eine große Zahl von Tieren unverzüglich zu töten. Im Falle des Kohlendioxids muss die Gaskonzentration mindestens 40 % CO2 betragen.

Getötete Eintagsküken werden zum Teil als Tierfutter für Greifvögel und Reptilien verwendet und von Großhändlern tiefgefroren angeboten.

 

Die neue Methode – eine Weltneuheit

Das an der Universität Leipzig entwickelte Verfahren ist eine Weltneuheit und ein Durchbruch auf dem Weg, das massenhafte Töten männlicher Küken zu beenden. Das Geschlecht wird dabei vor dem Ausbrüten im Ei erkannt, sodass männliche Küken gar nicht erst schlüpfen.

 

Diese Methode ist mit dem Preis: BEST  INNOVATION  AWARD 2018 ausgezeichnet.

 

Und so verläuft das Auswahlverfahren der Firma SELEGGT (auswählen – to select):

 

Beim so genannten SELEGGT-Verfahren wird in die Schale des Brut-Eies mit Hilfe eines Lasers ein maximal 0,3 Millimeter kleines Loch gebrannt. Über dieses wird non-invasiv eine winzige Menge der sogenannten Allantoisflüssigkeit entnommen. Das Innere des Brut-Eies wird dabei nicht berührt und bleibt unversehrt. Im nächsten Schritt wird die Allantoisflüssigkeit auf einen patentierten Marker außerhalb des Brut-Eies gegeben. Dieser zeigt durch Farbumschlag an, ob sich in dem Brut-Ei das geschlechtsspezifische Hormon Östronsulfat nachweisen lässt. Ist dies der Fall, entwickelt sich in dem Brut-Ei ein weibliches Küken. Nach der Geschlechtsbestimmung muss das Brut-Ei nicht verschlossen werden, da sich die innere Eimembran selbstständig zusammenzieht und das winzige Loch von innen verschließt. Am 21. Bruttag schlüpft dann ein weibliches Küken. Fehlt Östronsulfat, handelt es sich um ein männliches Brut-Ei, das aussortiert und zu hochwertigen Tierfutter weiter verarbeitet wird. Das SELEGGT-Verfahren hat in der Praxis eine Bestimmungsgenauigkeit von rund 98 Prozent.

 

Für das SELEGGT-Verfahren werden verschiedene Anforderungen an die Maschine gestellt:

  • Die Maschine muss flexibel in der Flüssigkeitsentnahme sein, denn nicht alle Bruteier sind gleich groß. Tatsächlich unterscheiden sie sich sehr in Form, Größe, Schalendicke etc. Sie werden nicht wie unsere Frühstückseier vorher nach Gewicht sortiert.
  • Sie muss in einer hohen Geschwindigkeit analysieren. Nur so kann der Ablauf in einer Brüterei ungehindert erfolgen. Zusätzlich dürfen die Bruteier nicht länger als zwei Stunden aus dem Brutschrank entnommen werden, damit die Entwicklung problemlos fortgesetzt werden kann.
  • Die Maschine muss eine exakte Menge an Allantoisflüssigkeit entnehmen können, damit der Marker optimal reagieren kann.
  • Sie muss einfach bedienbar sein, sodass sie in jeder Brüterei Anwendung findet und kein Fachpersonal notwendig ist. Da es sowohl große und kleine Brütereien gibt, muss die Maschine für jedes Größenformat geeignet sein.
  • Dank der SELEGGT-Technologie kann nun die bereits abgeschlossene Entwicklung des Markers in ein praxistaugliches Verfahren überführt werden. Somit kann zukünftig auf das Kükentöten im gesamten Sektor verzichtet werden
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